Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen können lebensrettend sein!
"Der Anruf meiner Mutter war schon etwas beunruhigend: Mit 60 Jahren war sie noch extrem fit und nie ernsthaft krank gewesen. Lediglich das Stuhlverhalten hatte sich kürzlich geändert und hin und wieder war der Stuhlgang auch mit etwas Blut vermischt. Trotzdem wartete sie noch einige Monate, bevor sie den Gang zum Arzt machte. Jetzt war ein Polyp festgestellt worden im Dickdarm und möglicherweise handelt es sich sogar um Krebs! Der Arzt hat nun bereits empfohlen, dass sich auch andere Familienmitglieder im Alter von 50 Jahren einer Dickdarmspiegelung unterziehen sollten. Einfach so, auch ohne Stuhlgangsveränderungen oder Blutauflagerungen."
Eine gute Idee!
Symptome
Die Tatsache, dass man keine Erkrankungserscheinungen hat, bedeutet nicht, dass man keinen Darmpolyp oder gar Darmkrebs haben kann. Leider ist es bei den Dickdarmtumoren so, dass sie erst spät Krankheitszeichen machen. Durch diese Tatsache rückt die Bedeutung der Krebsvorsorge und -früherkennung in den Vordergrund.
Warnende Anzeichen
Mögliche erste Krankheitserscheinungen stellen dar:- Blut im Stuhl
- Veränderungen der Stuhlgewohnheiten
- bleistiftdünne Stühle
- Bauchkrämpfe oder Schmerzen
- häufiger Stuhldrang
- Blutarmut
- Gewichtsabnahme
Die Anzeichen von Darmkrebs hängen auch von der genauen Lokalisation im Dickdarm selbst ab. Hier sind die typischen Symptome aufgeführt, entsprechend dem jeweiligen Ursprungsort im Darm:
Tumore in dem Caecum und in dem aufsteigenden Dickdarm (rechtsseitiger Dickdarm)?
In der Reihenfolge von Nahrungsaufnahme zu Ausscheidung, ist dieser Dickdarmanteil der erste. In diesem Darmanteil ist der Nahrungsbrei somit noch recht flüssig, da ja die Aufgabe des Dickdarmes darin besteht, Wasser aus dem Nahrungsbrei zurückzugewinnen. Aus diesem Grund verursachen Tumore in diesem Darmabschnitt üblicherweise keine Änderung der Stuhlgewohnheiten oder auch der Form des Stuhlgangs; sie können allerdings Blutungen verursachen. Dieses Blut kann durchaus dunkel und schwer zu erkennen sein. Aus diesem Grund entwickeln manche Personen erst einen Eisenmangel mit Symptomen wie Schwäche, Müdigkeit, Herzbeschwerden, Kurzatmigkeit und eine allgemeine Leistungsminderung.
Tumore des Querdarms (Colon transversum)
In dem Masse, in dem der Nahrungsbrei sich durch den Dickdarm fortbewegt, wird zunehmend Wasser zurückgenommen und der Nahrungsbrei verdickt. Zusätzlich zu Blutungen können Tumore in diesem Darmabschnitt Darmkrämpfe verursachen sowie einen teilweisen oder gar kompletten Darmverschluss.
Tumore des absteigenden Dickdarmes, des Krummdarmes und des Enddarmes
Wenn ein Tumor durch seine Grösse die Darmlichtung zum Teil oder ganz verschliesst, entstehen dünne, bleistiftförmige Stühle. Die Stuhlgewohnheiten insgesamt können sich verändern. Oft hat man ein Völlegefühl sowie Schmerzen im Bauch linksseitig. Die Stuhlentleerung kann schmerzhaft sein oder man kann auch Stuhldrang haben, ohne dass es zu einem Erfolg im Sinne einer Stuhlentleerung kommt. Blutungen können hier rot oder auch dunkelrot sein, aber meistens entdeckt man den Krebs bevor eine chronische Blutarmut entsteht.Blut im Stuhlgang kann allerdings ein Zeichen für viele unterschiedliche Organerkrankungen sein. Als Grundregel gilt: rotes Blut ist in aller Regel frisch und zeigt eine Blutungsquelle an, wenn es schwarz ist, ist es bereits älteres Blut und es kommt aus den eher höhergelegenen Abschnitten des Magen-/Darmtraktes.
Vor allem hellrotes Blut - auch wenn man es immer mit seinem Arzt besprechen sollte - kann häufig auch durch harmlosere Erkrankungen verursacht werden. Hierzu gehören in erster Linie Hämorrhoiden, kleinere Darmrisse (Fissuren) im Bereich des Schliessmuskels oder aber auch sogenannte Divertikel. Allerdings, wenn man Blut - vor allem hellrotes Blut - beobachtet, sollte man sich nicht leichtfertig mit der Diagnose Hämorrhoiden abgeben. Auf jeden Fall sollte eine Untersuchung des Enddarmes erfolgen.
Stuhlgang kann manchmal allerdings auch rot sein in Abhängigkeit von der Nahrung. Manche roten Nahrungsstoffe, beispielsweise rote Beete oder auch roter Lakritz sowie Eisentabletten und manche Medikamente, die bismuthaltig sind, können den Stuhl rot oder schwarz verfärben.
Diagnose
Wie sichert man die Diagnose Dickdarmkrebs?
Wenn bei einer Spiegelung ein grösserer Polyp entdeckt wird, der mit der Schlinge nicht entfernt werden kann, so entnimmt man Gewebeproben. Auch bei Tumoren, bei denen man eine Bösartigkeit vermutet, wird mit der Biopsiezange ein kleines Gewebestück entfernt und zur feingeweblichen Untersuchung in das Pathologische Institut geschickt. Einige Tage später erhält man das Ergebnis dieser Gewebeproben zurück. Wenn hier die Diagnose Dickdarmrkrebs gestellt wird, so ist das beweisend für das Vorliegen von Dickdarmkrebs. Eine feingewebliche Sicherung der Bösartigkeit ist vor einer Operation ganz generell zu fordern.
Methoden für die Vorsorge
Rektal-digitale Untersuchung (der Arzt tastet den Enddarm auf Veränderungen aus):
Diese Untersuchung ist Bestandteil auch der frauenärztlichen Untersuchung und sollte einmal im Jahr durchgeführt werden. Für Männer wird diese Untersuchung ab dem 45. Lebensjahr jährlich empfohlen. Es handelt sich hier um eine sehr einfache Untersuchung, die nicht schmerzhaft ist und die Veränderungen in den unteren ca. 8 - 10 cm gut tasten kann. Da Enddarmtumore eine häufige Form des Dickdarmkrebses darstellen, kann bereits ein Teil der Enddarmkrebsformen frühzeitig durch diese einfache und kostengünstige Methode erkannt werden.
Hämocculttest (Test nach verstecktem Blut im Stuhlgang)
Eine Stuhlprobe wird auf ein Briefchen aufgetragen, wobei bei der jährlich ab 45 empfohlenen Untersuchung stets 3 Briefchen durchzuführen sind. Der Hausarzt oder der Apotheker kann dann eine Lösung auf diese Briefchen aufträufeln und feststellen, ob sich verstecktes Blut in dem Stuhlgang befindet oder nicht. Dieser Test ist einfach und billig, allerdings ist er nicht immer zuverlässig. Manche Tumoren bluten nur manchmal und man kann genau die Stuhlproben erwischt haben, in denen sich kein Blut befindet. Auf der anderen Seite kann auch manchmal der Test positiv ausfallen, d.h. Blutspuren nachweisen, ohne dass tatsächlich ein Polyp oder ein Tumor im Dickdarm zu finden sind.Dennoch ist es eine sinnvolle, einfache, nicht schmerzhafte Untersuchung, die bei Nachweis von Blut zu der Empfehlung weiterführender Untersuchungen führen kann.
Enddarmspiegelung (Rekto-Sigmoidoskopie)
Mit dieser Untersuchungsform wird heute meist mit einem beweglichen (flexiblen) Gerät der End- und Dickdarm untersucht (etwa die letzten 30 - 50 cm). Für die Durchführung dieser Untersuchung sind keine wesentlichen Abführmassnahmen erforderlich, sondern es reicht ein Einlauf kurz vor der Untersuchung. Dadurch, dass etwas Luft in den Darm über das Endoskop eingeführt werden muss, ist die Untersuchung mit einer gewissen Unbequemlichkeit verbunden. Allerdings sollte diese Untersuchung nicht schmerzhaft sein und wird auch bei Kindern ohne Betäubungsmittel in der Hand des Erfahrenen mühelos durchgeführt.
Komplette Dickdarmspiegelung (Coloskopie)
Bei dieser Untersuchung wird ein ähnliches - allerdings längeres - Gerät als bei der flexiblen Rekto-Sigmoidoskopie eingeführt. Das Gerät hat etwa Fingerdicke und wird über den Enddarm in den Dickdarm eingeführt und langsam vorgeschoben. Während diese Untersuchung im Prinzip auch anfangs nicht schmerzhaft ist, tragen die Kurven im Darm dazu bei, dass doch an bestimmten Stellen Schmerzen auftreten können. Aus diesem Grund wird in aller Regel heutzutage die Gabe einer Beruhigungs- bzw. Schmerzspritze empfohlen, so dass man während der Untersuchung schlafen kann. Mit diesen Massnahmen lässt sich in aller Regel die Untersuchung sehr gut ertragen. Sowohl das Rekto-Sigmoidoskop als auch das Coloskop sind mit einer Videokamera verbunden, so dass man auf einem Monitor die "Fahrt durch den Darm" auch als Patient - sofern man wach ist - mit verfolgen kann. Wenn ein Polyp entdeckt wird, so sollte dieser gleich während der Untersuchung entfernt werden.Bei der kompletten Dickdarmspiegelung ist es erforderlich, vorher den Darm zu säubern, denn Stuhlbeimengungen verhindern eine gute Beurteilbarkeit der Darmwand. Auch hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Wir empfehlen unseren Patienten am Tag vor der Untersuchung lediglich ein leichtes Frühstück einzunehmen, um dann während des Tages die Abführmassnahmen durchzuführen. Wichtig bei den Abführmassnahmen ist, dass man ausreichend viel trinkt, damit der Darm wirklich gesäubert werden kann.
Virtuelle Coloskopie (= Flug durch den Darm)
Bei dieser Untersuchung wird kein Endoskop in den Darm eingeführt! Die Methode basiert darauf, dass man im Prinzip eine Computertomographie (CT) oder eine Kernspintomographie (MRT) durchführt. Hierbei werden Röntgenbilder in Schichten angefertigt. Anschliessend kann der Rechner die Informationen so zusammensetzen, dass man einen "Flug durch den Darm" machen kann. Mit dieser Methode werden auch Polypen und Tumore entdeckt, allerdings kann man keine Gewebeproben bei dieser Untersuchung machen. Problematisch ist bei dieser Untersuchungsmethode noch die Tatsache, dass auch Stuhlreste für Polypen gehalten werden können. Derzeit wird an dem Institut für Radiologie der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf (Direktor Prof. Dr. Mödder) in Zusammenarbeit mit der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie (Direktor Prof. Dr. Häussinger) und der Chirurgischen Klinik (Direktor Prof. Dr. Röher) eine Studie durchgeführt um festzustellen, wie gut diese Untersuchungsform tatsächlich ist. Patienten mit bestimmten Voraussetzungen wird angeboten, zunächst nach den entsprechenden Abführmassnahmen einen Flug durch den Darm zu machen und im Anschluss eine konventionelle Dickdarmspiegelung.Hierdurch hat man eine unmittelbare Kontrolle der Ergebnisse. Für den Patienten bedeutet dies doppelte Sicherheit bei der Untersuchung! Nähere Informationen finden Sie unter www.krebs-nrw.de.
Behandlung
Die chirurgische Entfernung des Tumors ist die wesentliche Behandlung des Darmkrebses. Mit etwas Glück kann durch die chirurgische Massnahme der Tumor komplett entfernt und eine Heilung herbeigeführt werden. Hierbei wird der tumortragende Darmanteil entfernt, mit einem gewissen Sicherheitsabstand normalen Darmgewebes zu beiden Seiten. Hierbei wird nicht nur das Darmrohr selber entfernt, sondern auch die in dem Darmgekröse befindlichen Lymphknoten entlang den Gefässen. Anschliessend kann der Darm wieder aneinander genäht werden. Wenn ein Darmtumor auftritt und ein Teil des Dickdarmes entfernt werden muss, so ist in aller Regel anschliessend die Lebensqualität unbeeinträchtigt. Wie beschrieben, hat der Dickdarm die Funktion Wasser aus dem Nahrungsbrei zurückzugewinnen. Es kann also sein, dass man nach der Operation in aller Regel vorübergehend etwas weicheren oder auch flüssigeren Stuhlgang hat. Im Laufe eines Jahres nach der Operation adaptiert sich der Dickdarm an die neue Situation und der Stuhlgang normalisiert sich wieder. Lediglich wenn ein sehr grosser Anteil des Dickdarms entfernt werden muss (subtotale Colektomie), kann eine erhöhte Stuhlfrequenz bei flüssigerem Stuhlgang dauerhaft bestehen bleiben.
Befindet sich der bösartige Tumor im unteren Enddarmbereich, so besteht die Möglichkeit, dass ein Erhalt des Schliessmuskelapparates nicht sinnvoll ist. Ziel der Operation bei Dickdarmkrebs ist es, nach Möglichkeit eine Heilung herbeizuführen, auch wenn sie auf Kosten der normalen Stuhlentleerung geschieht. Allerdings haben sich hier die chirurgischen Operationsmethoden derart gewandelt, dass man in sehr vielen Fällen, in denen früher noch ein künstlicher Ausgang (Stoma) erforderlich war, man heute den normalen Ausscheidungsweg erhalten kann.
Chemotherapie
Man unterscheidet verschiedene Formen der Chemotherapie bei Dickdarmkrebs: Die adjuvante, die neoadjuvante und die palliative Behandlung.Bei der adjuvanten Therapie soll nach vollständiger chirugischer Entfernung des Krebses der Heilerfolg gesichert werden. Man stellt sich vor, dass durch die zusätzliche Chemotherapie irgendwo im Körper verstreute und zur Zeit inaktive Tumorzellen, welche mit den üblichen bildgebenden Verfahren nicht nachgewiesen werden können, vernichtet werden können. Durch diese Maßnahmen soll ein erneutes Auftreten des Tumors am ursprünglichen Entstehungsort (Lokalrezidiv) oder Tochtergeschwulste (Metastasen) im weiteren Verlauf verhindert werden. Eine Steigerung der Heilungsrate durch eine solche adjuvante Behandlung ist durch klinische Studien nachgewiesen worden.
Ob eine adjuvante Chemotherapie indiziert ist oder nicht, richtet sich nach dem bei der histologischen Untersuchung des Operationspräparates festgestellten Tumorstadium. Bei ganz frühen Tumorstadien, d.h. kleinen Tumoren ohne Lymphknotenmetastasen, wird eine adjuvante Chemotherapie nicht empfohlen. Hier geht man davon aus, dass die Heilungsaussichten durch alleinige chirurgische Therapie ausreichend gut sind. Bei dem Dickdarmkarzinom wird ab dem Stadium III nach UICC (Union International Contre le Cancer = International Union against Cancer) mit Lymphknotenmetastasen im Operationspräparat, eine adjuvante Chemotherapie empfohlen, um die Heilungsaussichten zu verbessern. Bei Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) wird bereits ab dem Stadium II, d.h. einem Tumor, welche die gesamte Darmwand durchsetzt aber noch ohne Lymphknotenmetastasen, eine adjuvante Radiochemotherapie empfohlen. Dies ist eine Kombination aus einer Bestrahlung und einer Chemotherapie. Beim Rektumkarzinom ist eine Bestrahlung deshalb möglich, weil durch eine spezielle Lagerung des Patienten der strahlenempfindliche Dünndarm aus dem Bestrahlungsfeld herausgehalten werden kann.
Diese adjuvante Therapie ist in der Regel sehr gut verträglich. Am häufigsten wird beim Dickdarmkrebs das sogenannte Mayo Klinik Protokoll (nach der berühmten Klinik in Rochester, USA) angewendet. Hierbei werden sechs Zyklen Chemotherapie gegeben. Ein Zyklus besteht aus einer einmal täglichen Kurzinfusion des Chemotherapeutikums über 5 aufeinanderfolgende Tage. Nach 4 Wochen wird dies wiederholt, so dass die gesamte Therapie nach 6 Monaten abgeschlossen ist. Begonnen wird die Therapie in der Regel einige Wochen nach der Operation. Das verwendete Medikament heißt 5-Fluoruracil. Es wirkt dadurch, dass es als sogenannter falscher DNS-Baustein die Neusynthese der Erbinformation der Zelle hemmt. Sich schnell teilende Zellen, also z.B. Tumorzellen, sind hiervon besonders betroffen. Sie können ihre DNS, welche die Erbinformation trägt, nicht verdoppeln wie es vor einer Zellteilung notwendig ist und sterben deshalb ab. Die Wirkung von 5-Fluoruracil (= 5-FU) wird durch die Gabe von Folinsäure verstärkt. Diese Substanz wird normalerweise ca. 30 Minuten vor der 5-FU Infusion gespritzt. Wie alle Chemotherapeutika, hat auch 5-FU Nebenwirkungen: auch normale Körperzellen werden angegriffen. Hiervon sind vor allem die sich ebenfalls relativ rasch teilenden Zellen des Magendarmtrakts betroffen. Typische Nebenwirkungen sind Durchfälle und schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut, weniger häufig Übelkeit und Erbrechen. Im Allgemeinen ist die Veträglichkeit dieses Chemotherapieprotokolls aber sehr gut. Viele Patienten fühlen sich kaum beeinträchtigt. Die Therapie kann auch sehr gut ambulant durchgeführt werden. Außer dem vorgestellten Mayo-Klinik Schema gibt es noch andere Therapieprotokolle, welche im wesentlichen die gleichen Substanzen verwenden, aber eine eine andere Dosierung und unterschiedliche Dosierungsintervalle benutzen. Zur Zeit laufen in Deutschland zwei Therapiestudien, welche verschiedene adjuvante Therapieprotokolle vergleichen, z.B. das beschriebene Mayo Klinik Schema mit längeren Infusionen bzw. höheren Dosierungen von 5-FU (siehe Studien: Prof. Porschen, Bremen und PD. Dr. Köhne, Uni Dresden).
Beim Enddarmkrebs im Stadium II und III wird - wie bereits erwähnt - eine Kombination von Chemotherapie und Strahlentherapie empfohlen. Dabei wird der erste und zweite Zyklus im wesentlichen wie beim Dickdarmkarzinom durchgeführt. Es wird aber auf die Gabe von Folinsäure verzichtet, da hierbei nicht nur die Wirkung, sondern auch die Nebenwirkungen verstärkt werden, was im Falle einer Bestrahlung stärkere Scleimhautschäden verursachen würde. Der dritte und vierte Zyklus wird verkürzt zusammen mit der Strahlentherapie durchgeführt (ca. 30 Bestrahlungen an aufeinanderfolgenden Wochentagen). Die letzten beiden Zyklen werden wieder ohne Bestrahlung und ähnlich wie beim Dickdarmkarzinom durchgeführt.
Möglicherweise kann bei bestimmten Risikofaktoren (z.B. histologisch gesichertes Eindringen von Tumorzellen in Gefäße) auch bei Dickdarmkrebs im Stadium II, d.h. ohne Lymphknotenbefall, eine adjuvante Chemotherapie sinnvoll sein. Dies ist aber nicht bewiesen. Eine solche Therapie sollte deshalb nur im Rahmen von Studien erfolgen, weil nur so die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit nachgewiesen werden kann.
Beim Rektumkarzinom gibt es auch die Möglichkeit einer neoadjuvanten Behandlung. Neoadjuvant bedeutet, dass bei sehr großen Tumoren, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vollständig chirurgisch entfernt werden können, vor der Operation behandelt wird, um den Tumor zu verkleinern, so dass er doch noch im Gesunden entfernt und der Patient damit geheilt werden kann. Beim Rektumkarzinom besteht die neoadjuvante Therapie in einer präoperativen Radiochemotherapie (Chemotherapie und Bestrahlung).
Palliative Therapie
Palliativ bedeutet lindernd. Bei fortgeschrittenen Tumoren im Stadium IV nach UICC, d.h. beim Vorliegen von Fernmetastasen (z.B. Leber- oder Lungenmetastasen), besteht durch die Chemotherapie kein Anspruch mehr, die Erkrankung zu heilen. Vielmehr soll die Erkrankung zurückgedrängt, zum Stillstand gebracht oder doch wenigstens das Fortschreiten verlangsamt werden. Symptome wie zum Beispiel Schmerzen, können hiermit auch günstig beeinflußt werden. Abgesehen von der Möglichkeit, die Erkrankung durch Chemotherapie zu beeinflussen, beinhaltet die palliative Therapie noch viele weitere Maßnahmen, die sich allein der Symptomkontrolle widmen. Hierzu gehört eine adäquate Schmerztherapie, Behandlung von Übelkeit, hochkalorische Zusatznahrung gegen tumorbedingten Gewichtsverlust und vieles andere mehr. Im Vordergrund des therapeutischen Bemühens steht neben einem möglichen Gewinn an Lebenszeit durch palliative Chemotherapie, ganz besonders die erreichbare Lebensqualität.In Einzelfällen besteht auch bei Vorliegen von Fernmetastasen die Möglichkeit einer Heilung durch chirurgische Therapie. So können isolierte Leber- und Lungenmetastasen operativ entfernt werden, wenn der Allgemeinzustand des Patienten diese größere Operation erlaubt.
Palliative Chemotherapie
Es gibt verschiedene wirksame Therapieschemata. Dabei ist es möglich, nach dem Versagen einer Therapie durch einen Therapiewechsel, die Erkrankung erneut zu beeinflussen. First-line Therapie (Ersttherapie) Als Ersttherapie bieten sich ebenfalls wieder verschiedene Protokolle von 5-FU und Folinsäure an, entweder allein oder in Kombination mit neuen Chemotherapeutika. Dabei sind insbesondere die neuen Substanzen Irinotecan und Oxaliplatin sehr vielversprechend. Kombinationen mit diesen Medikamenten konnten bereits eine Verlängerung des Überlebens nachweisen. Irinotecan wird semisynthetisch aus einem asiatischen Baum gewonnen. Irinotecan hemmt die sogenannte Topoisomerase, ein Enzym, das gebraucht wird, um die DNS-Stränge für die Verdopplung zu entwinden. Durch die Hemmung dieses Enzyms entstehen Strangbrüche in der DNS und damit Erbgutschäden, die zum Zelltod führen. Hauptnebenwirkung einer Irinotecantherapie, insbesondere in Kombination mit 5-FU, sind Durchfälle, welche auch sehr schwerwiegend sein können. Patienten müssen vor einer Behandlung darüber aufgeklärt werden und genaue Handlungsanweisungen beim Auftreten von Durchfall bekommen. Ein Medikament gegen Durchfälle muß mitgegeben werden, welches bei deren Auftreten nach Schema eingenommen werden muß. Sollten die Durchfälle nach 48 Stunden nicht aufhören, ist ein Arzt aufzusuchen. Insbesondere bei Auftreten von Fieber und Zeichen von Austrocknung, ist eine sofortige Krankenhauseinweisung zu veranlassen.Oxaliplatin verursacht weniger Durchfälle. Hier ist die Hauptnebenwirkung eine Schädigung von Nerven mit Gefühlsstörungen. Wie bei allen Chemotherapien ist natürlich auch bei den Therapien mit 5-FU, Irinotecan und Oxaliplatin, eine Kontrolle des Blutbildes notwendig, da ein Mangel an weißen Blutkörperchen und damit eine Infektanfälligkeit resultieren kann. Bei der Ersttherapie des metastasierten Dickdarmkrebses wird also entweder - wie bei der adjuvanten Therapie - eine Kombination von 5-FU und Folinsäure allein angewandt, oder dies mit einer der beschriebenen neuen Substanzen (Irinotecan oder Oxaliplatin) kombiniert.
Second-line Therapie (Zweittherapie)
Sollte eine Ersttherapie ihre Wirksamkeit verlieren und darunter ein Fortschreiten der Erkrankung nachweisbar sein, kann eine erneute Wirkung durch eine sogenannte second-line Therapie erzielt werden. Die Auswahl dieser Therapie richtet sich nach der Vortherapie. Bei alleiniger Vortherapie mit 5-FU und Folinsäure, kann ein Schema mit Irinotecan oder Oxaliplatin gewählt werden. Studien haben bereits gezeigt, dass bei einer Vortherapie, welche bereits eine der neuen Substanzen beinhaltete, der Wechsel von Irinotecan auf Oxaliplatin und umgekehrt wieder ein erneuters Ansprechen ermöglicht. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob es besser ist, bei der Chemotherapie des metastasierten Dickdarmkrebses gleich die neuen Substanzen firstline mit einzubeziehen, oder sie sich sozusagen für später aufzubewahren.
Orale Therapie
Bereits eingeführt ist die Substanz Capecitabine, welche als Tablette verabreicht werden kann. Es handelt sich um einen Vorläufer von 5-FU, welcher selektiv im Tumor in die wirksame Form umgewandelt wird. Capecitabine ist zur Therapie des fortgeschrittenen kolorektalen Karzinoms zugelassen und vereinfacht durch die orale Gabe die Therapie für den Patienten im Vergleich zur intravenösen Gabe der üblichen Chemotherapeutika. Ein weiteres orales Präparat (UFT/Folinsäure) steht kurz vor der Markteinführung.Bei isolierten, aber inoperablen Lebermetastasen, gibt es verschiedene lokale palliative Therapiemöglichkeiten. So kann die Leber selektiv mit hochdosierten Chemotherapeutika durchflutet werden. Aufgrund der Komplikationen durch die Gabe in eine Leberarterie, welche einen erschwerten Zugang im Gegensatz zur konventionellen Therapie über normale Venen darstellt, kann dieses Verfahren außerhalb von Studien zur Zeit nicht empfohlen werden. Es gibt auch die Möglichkeit, Lebermetastasen durch Kälte (Kryotherapie) oder durch Laserstrahlen zu zerstören. Eine gerade anlaufende Studie der Uniklinik Göttingen, Prof. Ramadori, beschäftigt sich mit dieser Lasertherapie von Lebermetastasen.
Vorsorge
Fast immer entsteht Dickdarmkrebs aus Polypen. Ein Polyp ist eine Schleimhautvorwölbung, die aus unterschiedlichen Geweben entstehen kann. Die Polypen, die die grösste Neigung haben in Dickdarmkrebs schliesslich überzugehen, sind sogenannte "Adenome". Bei Adenomen handelt es sich um Polypen, die aus dem Drüsengewebe entstehen. In keinem Organ kann man eine so gute Vorsorge betreiben wie bei dem Dickdarmkrebs. Die gutartige polypöse Vorstufe kann erkannt und während der Dickdarmspiegelung noch entfernt werden. Durch die Entfernung des Polypen betreibt man eine sogenannte "primäre Prävention", d.h. man verhindert, dass es überhaupt erst zu einer Krebsentstehung kommt. Bei der Entfernung von Polypen handelt es sich um ein relativ einfaches Verfahren: Man kann entweder mit einer Zange den kleinen Polypen entfernen oder aber eine Schlinge um ihn legen und mittels Hitze den Polyp abtragen und gleichzeitig eine Blutstillung herbeiführen. Bei der Dickdarmspiegelung kann man auch Frühformen von Krebs erkennen, in denen das Erkrankungsstadium noch so früh ist, dass eine komplette Heilung herbeigeführt werden kann.
Formen von Polypen
Es gibt sehr unterschiedliche Formen von Polypen. Sie können entweder pilzförmig sein oder auch flach. Flache Polypen bergen ein grösseres Risiko sich in einen Krebs zu verwandeln als die pilzförmigen Polypen. Allerdings spielt hier auch die Grösse eine Rolle, denn grössere Polypen haben wiederum ein zunehmend hohes Risiko, bösartig zu sein. Die unterschiedlichen Arten von Polypen umfassen:
Adenome
Hier handelt es sich um eine sehr häufige Form von Polypen. Adenomatöse Polypen gehen aus dem Drüsengewebe der Schleimhaut hervor und haben das Potential, durch Grössenwachstum bösartig zu werden.
Hyperplastische Polypen
Das ist eine sehr häufige Polypform, die im Dickdarm und Enddarm gefunden wird. Es handelt sich in aller Regel um sehr kleine Veränderungen, die meistens nicht in Dickdarmkrebs übergehen. Allerdings, wenn sie eine Grösse von etwa 1 cm erreichen, sollten sie entfernt werden, zumal man sie mit dem blossen Auge nicht von Adenomen sicher unterscheiden kann.
Juvenile Polypen
Diese Polypen treten häufig in der Kindheit auf. Sie können Blutungen verursachen und sollen ebenfalls mit dem Endoskop entfernt werden. Das Risiko einer bösartigen Umwandlung ist erheblich geringer als bei Adenomen.
Inflamatorische Polypen
Entzündliche Polypen treten vor allem bei entzündlichen Darmerkrankungen wie beispielsweise Colitis ulcerosa auf. Sie sind nicht primär mit einem erhöhten Risiko zur bösartigen Umwandlung behaftet, allerdings haben Patienten mit einer Colitis ulcerosa im Laufe der Erkrankungsdauer ein zunehmendes Entartungsrisiko im Darm.Nachsorge
Wenn es zu einer Krebserkrankung des Dickdarmes gekommen ist sollte man sich etwa 5 Jahre lang in eine gezielte Nachsorge begeben. Das Ziel dieser Nachsorge ist es vor allen Dingen ein Auftreten von Metastasen (Tochtergeschwulsten oder einem Lokalrezidiv) und erneutem Auftreten von Krebszellen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Die Häufigkeit der erforderlichen Nachsorge und die zu empfehlenden Untersuchungen sollten Sie mit dem Sie behandelnden Arzt besprechen. Üblicherweise werden eine körperliche Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes, die Bestimmung der Tumormarker (CEA = carcio-embryonales Antigen) und CA19/9 sowie eine Dickdarmspiegelung erfolgen. In den ersten beiden Jahren nach Dickdarmkrebs erfolgt diese Nachsorge meist in 6-monatigem Abstand, in den folgenden 3 Jahren der Nachsorge im Jahresabstand. Allgemeine Empfehlungen zur der Nachsorge nach Dickdarmkrebs finden Sie beispielsweise bei den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkankungen (DGVS)
Vererbung
Man geht heute davon aus, dass bei etwa 10% der Patienten mit Dickdarmkrebs dieser auf eine familiäre Krebsbelastung zurückzuführen ist. Wenn also beispielsweise in Ihrer Familie mehrere Personen an Dickdarmkrebs erkrankt sind und vor allem wenn diese aus der Familie eines Elternteils stammen und möglicherweise einer noch unter dem Alter von 50 Jahren erkrankt ist besteht der Verdacht auf eine erhöhte erbliche Belastung. Eine andere Form einer vererbten Dickdarmkrebserkrankung ist die familiäre adinomatöse Polyposis (FAP). Ein schneller erster Check um die Frage nach einer erhöhten familiären Belastung zu beantworten können Sie hier in Form des Online-Risiko-Tests durchführen. Bevor Sie ihn durchführen ist es manchmal sinnvoll noch exaktere Informationen zu den Erkrankungen der Verwandten einzuholen, denn von dieser genauen Angabe hängt die Risikoeinschätzung ab. Sollte sich bei dem Test ein erhöhtes familiäres Risiko ergeben, raten wir Ihnen dringend zu einem persönlichen Gespräch mit Ihrem Hausarzt oder mit einer der Beratungsstellen der Deutschen Krebshilfe oder einem Humangenetiker Kontakt aufzunehmen. Eine besonders seltene Form einer erblichen Veranlagung zu Darmkrebs ist das s.g. Peutz-Jeghers-Syndrom. Hierbei handelt es sich um eine extrem seltene Form.






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