Das Peutz-Jeghers-Syndrom ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die sich durch folgende Symptome auszeichnet:
- Lentiginose, d.h. typische Pigmentflecken (s.u.)
- Hamartomatöse Polypose, d.h. bestimmte Polypen (= gutartige Schleimhautwucherungen), die vor allem im Dünndarm, aber auch in Dickdarm und Magen sowie selten auch außerhalb des Verdauungstraktes wie z.B. in Blase, Gallenblase, den oberen Luftwegen und dem Herz auftreten.
- Erhöhtes Risiko für verschiedene Krebserkrankungen (z.B. Bauchspeicheldrüse, Magen-Darm-Trakt, Brustkrebs, seltene gynäkologische Tumore).
Die Diagnose gilt als sicher wenn entweder zwei hamartomatöse Polypen oder ein hamartomatöser Polyp zusammen mit typischen Pigmentflecken auftreten oder wenn ein hamartomatöser Polyp bei positiver Familienanamnese auftritt.
Synonyme: Peutz-Touraine-Syndrom, Erbliche Hamartose Peutz-Jeghers, Hutchinson-Peutz-Syndrom, Lentiginosis polyposa Peutz, PJS.
Charakteristik
Das Peutz-Jeghers-Syndrom wird autosomal-dominant vererbt, d.h. ein betroffener Elternteil gibt die Erkrankung mit 50% Wahrscheinlichkeit auf jedes der Kinder weiter, unabhängig vom Geschlecht. Es finden sich aber auch viele sporadische Fälle in denen kein Elternteil die Erbanlage trägt und somit auch kein Elternteil erkrankt ist und wo eine Neubildung der Krankheit (eine sog. Neumutation) angenommen werden kann. Klinische Probleme bestehen einerseits in Blutungen, Schmerzen und Darmverschluß durch die Darmpolypen und andererseits in dem erhöhten Krebsrisiko. Die meisten Erkrankungen werden durch Veränderung (= Mutation) einer Erbanlage (= Gen) namens STK11 oder LKB1 hervorgerufen, welches auf Chromosom 19p13.3 liegt. Bei einigen Patienten mit eindeutigen Krankheitszeichen findet sich jedoch keine Mutation in diesem Gen, so daß angenommen werden muß, daß Mutationen in noch mindestens einem weiteren Gen ebenfalls die Krankheit verursachen. Da das Syndrom sehr selten ist, ist die Gesamthäufigkeit nicht bekannt.
Pigmentflecken
Die typischen Pigmentflecken treten vor allem um den Mund herum, auf den Lippen und in der Wangenschleimhaut auf, können aber auch um Nase und Augen sowie auf Händen und Füssen gefunden werden. Die Größe reicht von Millimetern bis zu ca. 1 cm. Die Flecken sind nicht erhaben sondern liegen im Hautniveau und ihre Farbe variiert von hellbraun bis hin zu beinahe schwarz. Sie können bereits bei der Geburt vorhanden sein oder aber in den ersten Jahren des Lebens entstehen; in Einzelfällen treten sie sogar erst im Erwachsenenalter auf. Bei den meisten Patienten verändern sie sich im Laufe des Lebens und werden mit zunehmendem Alter schwächer. Bei der mikroskopischen Untersuchung zeigen sie eine Vermehrung des dunklen Hautfarbstoffes Melanin und der Melanocyten (= Zelen, die Melanin bilden) in den basalen Zellschichten der Haut. Eine bösartige Veränderung dieser Flecken ist noch nie beobachtet worden. Falls sie als kosmetisch als störend empfunden werden ist eine Laserbehandlung möglich. Zwischen fünf und fünfzig Prozent der PJS-Patienten haben keine Pigmentflecken.
Hamartomatöse Polypen
Die Hamartome (= hamartomatöse Polypen) liegen vor allem im Dünndarm gefolgt von Dickdarm und Magen. Andere mögliche Lokalisationen wie Speiseröhre, Gallen- und Harnblase, das Herz und die Atemwege wurden beschrieben aber sind ausgesprochen selten.Die Polypen können zu verschiedenen Problemen wie Darmeinstülpung, Blutung und Schmerz führen. Die Einstülpung mit nachfolgendem Darmverschluß und Absterben des Darmgewebes ist der Hauptgrund für Notfalloperationen bei diesen Patienten. Das Alter beim ersten Auftreten dieser Symptome kann vom Neugeborenen bis hin zum höheren Erwachsenenalter reichen. Bei einem Drittel der Patienten treten erste Symptome in den ersten zehn Jahren des Lebens auf und bei einem weiteren Drittel in den zweiten zehn Jahren.
Die Hamartome zeigen ein typischen Bild bei der mikroskopischen Untersuchung: intakte Darmschleimhaut bedeckt baumartig verzweigte Bündel glatter Muskulatur aus einer tieferen Schicht der Darmwand, der sog. Lamina muscularis mucosa. Die Polypen sind gewöhnlich gutartig, jedoch wurden in einigen fällen krebsartige Veränderungen gefunden.
Erhöhtes Krebsrisiko
Ein 9 bis 18 fach erhöhtes Krebsrisiko bei Peutz-Jeghers-Patienten wurde in mehreren Studien gefunden. Die häufigsten Tumorlokalisationen sind der Magen-Darm-Trakt, die Bauchspeicheldrüse (wo laut einer Studie das Krebsrisiko 100fach erhöht ist), die Lunge und die weibliche Brust (oft beidseitig). Außerdem treten gehäuft Tumore desHarn- und Geschlechtsorgane auf.
Darüber hinaus sind bösartige Tumore bei PJS-Patienten in nahezu allen Organen beschrieben worden. Es kann daher kein Tumor als niemals zu dem Syndrom gehörig ausgeschlossen werden.
Symptome
Die meisten PJS-Fälle werden durch Mutationen in einem Gen namens STK11 oder LKB1 verursacht, das sich auf Chromosom 19p13.3 findet. Das Genprodukt ähnelt der Serin-Threonin-Kinase XEEK1 aus Xenopus. Das Genprodukt findet sich im Zellkern und im Cytoplasma. Es hat eine wachstumshemmende Wirkung die durch einen G(1) Zellcyklus-Stillstand vermittelt wird.
Das Gen wurde in vielen sporadischen Tumoren z.B. des Dickdarms, des Magens, der Hoden, des Pankreas, der Eierstöcke und der Brust sowie in malignen Melanomen und einigen Tumorzellinien untersucht. Hier wurden nur wenige Mutationen gefunden was die Vermutung nahelegt, daß dieses Gen in der Entstehung sporadischer Tumore nur eine untergeordnete Rolle spielt.
LOH (loss of heterozygosity) für das Wildtyp-Allel wurde in bisherigen Untersuchungen in den hamartomatösen Polypen und 70% der malignen Tumore gefunden.
Vorsorge
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen der PJS-Patienten haben zwei Ziele: Komplikationen durch die Polypen wie Blutungen, Schmerzen und Darmeinstülpungen (Invaginationen) zu vermeiden und zum anderen die Früherkennung bösartiger Tumore.
Das erstgenannte Ziel kann durch regelmäßige Untersuchungen des Magen-Darm-Traktes erreicht werden. Das zweite Ziel ist wesentlich schwieriger zu erreichen, da bösartige Tumoren bei PJS-Patienten in nahezu allen Organsystemen bereits beschrieben sind. Es gibt bisher keine einheitlichen Vorsorgeempfehlungen.
Die Deutsche Krebshilfe empfiehlt regelmäßige Untersuchungen ab dem Alter von 12 Jahren. Spiegelungen des Dickdarms und Magens sowie eine Kernspinuntersuchung des Dünndarms sollten dann alle zwei Jahre erfolgen.
Da erste Symptome des Peutz-Jeghers-Syndroms bereits aus den ersten Lebenstagen berichtet wurden und außerdem beschrieben ist, daß ein Drittel der Patienten in den ersten zehn Jahren des Lebens symptomatisch wird möchten wir hinzufügen daß die 12-Jahres-Schwelle für den Beginn der Untersuchungen angezweifelt werden kann.
Sollten also bei Risikopersonen oder Genträgern Symptome in einem jüngeren Alter auftreten sollte eine sofortige Abklärung angestrebt werden. Bei weiblichen Patienten sollten regelmäßige gynäkologische Untersuchungen mit vaginalem Ultraschall mit 18 Jahren beginnen und jährlich wiederholt werden. Bei Jungen sollte das äußere Genitale regelmäßig auf das Auftreten von Hodentumoren untersucht werden. Ab dem 25 Lebensjahr ist in zweijährlichen Abständen eine Mammographie für Frauen und ein Kernspinuntersuchung der Bauchspeicheldrüse und der Gallenwege empfohlen.






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