Düsseldorf gegen Darmkrebs e.V.

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Aktion Düsseldorf gegen Darmkrebs März 2010

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Liebe Mitglieder,

liebe Patienten,
liebe Interessierte,
liebe Düsseldorfer,

 

Nach der Großplakatierungsaktion im Herbst vergangenen Jahres werden wir im Darmkrebsmonat März 2010 zu Stuhltests informieren. Zwar hat sich nichts daran geändert, dass die Koloskopie (Darmspiegelung) das Vorsorgeverfahren der Wahl ist, aber wir müssen auch realisieren, dass nur 3% der altersberechtigten Bevölkerung dieser Empfehlung folgen.

Stuhltests sind zwar nicht so genau, wie die Darmspiegelung, aber wenn man sie jährlich durchführt viel, viel besser als gar keine Vorsorge! Der Verein Düsseldorf gegen Darmkrebs e.V. hat eine wissenschaftliche Studie durchgeführt, die in Kürze in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (DMW) publiziert werden wird. Die Publikation finden Sie hier als PDF:

 

Der Katalog der gesetzlichen Krankenkassen sieht ab dem 56. Lebensjahr die Durchführung einer Koloskopie vor, die (abhängig von dem Befund) spätestens nach 10 Jahren wiederholt werden sollte. Eine Alternative, die ebenfalls von der Krankenkasse bezahlt wird, sind die sog. biochemischen (Guajak-basierten) Stuhltests. Für diese ist auch nachgewiesen worden, dass sie die Sterblichkeit von Darmkrebs, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden verhindern können. Der Nachteil ist allerdings, dass der Test nur dann positiv sein kann, wenn ein Polyp (Vorstufe eines Darmkrebses, siehe auch www.polypentag.de) oder gar Darmkrebs blutet. Dieses Blut ist nicht sichtbar, kann aber von dem Test detektiert werden. Es gehört dazu, dass 3 Stuhltests durchgeführt werden in 3 von einander unabhängigen (aufeinander folgenden) Stuhlgängen und diese bei Arzt ausgewertet werden.

Zusätzlich gibt es immer mehr Stuhltests auf dem Markt, die angeblich besser sind, als der biochemische, der von den Kassen bezahlt wird. Stimmt das? Gibt es hierzu eindeutige Erkenntnisse? Welcher ist denn der „beste" Stuhltest? Ist der Teuerste auch wirklich der Beste? Es gibt inzwischen mehrere Studien dazu, dass die sog. immunologischen Stuhltests empfindlicher, aber auch spezifischer sind, als der biochemische. Dies bedeutet, dass wenn der Test positiv ausfällt doch in einer hohen Anzahl der Patienten, die sich dann einer Spiegelung unterziehen, tatsächlich Polypen oder Darmkrebs vorliegt. Allerdings gibt es zahlreiche immunologische Tests auf dem Markt und man kann heute noch nicht abschließend sagen, welcher von diesen besser oder schlechter ist. Auf jeden Fall muss man diese immunologischen Stuhltests heute noch selber bezahlen.

 

Ein weiterer stark beworbener, kommerziell erhältlicher Stuhltest ist der sog. M2PK-Test.

 

 

Darmkrebs - einige Fakten

Jährlich erkranken etwa 70 000 Menschen in der Bundesrepublik neu am Dickdarm- oder Enddarmkrebs. Damit ist es der zweithäufigste Tumor. Leider befinden wir uns nach wie vor an der Spitze der Häufigkeit dieses Tumors in den europäischen Ländern. Jährlich sterben etwa 30 000 Menschen in Deutschland daran, d. h. es überleben etwa 60 - 70% betroffener Patienten. Die Erkrankung betrifft Männer und Frauen etwa in gleichem Maße.

 

Kurze Fakten:

  • Darmkrebs ist die Krebsart mit der höchsten Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr.
  • die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, liegt bei 6% und nimmt mit steigendem Alter deutlich zu.
  • Darmkrebs entsteht meist aus zunächst gutartigen Vorstufen, also Wucherungen der Darmschleinhaut oder Polypen. Diese sind insbesondere bei Menschen über 50 weit verbreitet.
  • Darmkrebs ist ein doppeltes Tabu-Thema. Deshalb wird nicht genug darüber gesprochen. Schweigen kann in diesem Fall bedeuten, die Vorsorgeuntersuchung zu verzögern und damit die Erkrankung nicht frühzeitig zu erkennen. Die Heilungschancen verringern sich drastisch.
  • der Darmkrebs fordert mehr als viermal so viele Todesopfer pro Jahr wie der Straßenverkehr
  • im Vergleich mit den Erkrankungsraten anderer EU-Länder (alte EU) hat Deutschland sowohl bei Männern als auch bei Frauen die höchsten Zahlen in Europa.

 

Vorsorge

Die gesetzlich verankerte Vorsorge sieht als wesentliche Untersuchung ab dem 55. Lebensjahr eine Koloskopie (Darmspiegelung) vor, die einmal nach 10 Jahren wiederholt werden kann. Ab dem 50. Lebensjahr ist ein Haemoccult-Test (Nachweis von makroskopisch nicht sichtbarem (okkultem) Blut im Stuhl) im Vorsorgeprogramm für Männer und Frauen.

  • Jährliche Untersuchung auf okkultes Blut zwischen 50 und 54 Jahren
  • Erste Screeningkoloskopie ab 55 Jahre und weitere 10 Jahre später
  • alternativ: Untersuchung auf okkultes Blut alle zwei Jahre ab 55 Jahren

 

Die Wertigkeit der Hämoccult - Stuhluntersuchung liegt bei etwa 60% nachweisbaren Dickdarmkrebsen. Die Koloskopie kann über 95% die Vorstufen des Krebses (= Adenome/Polypen) erkennen und oft mit endoskopischen Mitteln (Biopsiezange, elektrische Schlinge) einfach entfernen. Damit wäre der Dickdarmkrebs heilbar. Von der Vorstufe (kleines Adenom) bis zum klinisch relevanten Krebs vergehen oft 5 - 10 Jahre. In dieser Zeit bestehen keine oder nur geringe klinische Symptome. Beim Auftreten klinischer Symptome ist der Tumor oft schon sehr weit fortgeschritten.

 

Fakten zur Darmkrebsvorsorge durch Koloskopie

Seit die präventive Koloskopie für alle Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen im Jahre 2002 eingeführt wurde, konnten 120.000 Menschen vor Darmkrebs bewahrt werden. Denn bei ihnen wurde ein fortgeschrittenes Adenom festgestellt. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Deutschen Krebsforschungszentrums (2009). Wesentlich dazu beigetragen haben auch Informationskampagnen wie der alljährliche Darmkrebs Monat März.

 

Motivation ist nötig

 

Im Untersuchungszeitraum 2003 bis 2007 unterzogen sich rund 2,8 Millionen Versicherte einer Früherkennungskoloskopie; in Nordrhein waren es 312.000. Das entspricht einem Anteil in der relevanten Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen von 13,5 Prozent der Männer und 15,1 Prozent der Frauen. In Nordrhein sind es 13,5 Prozent bzw. 14,9 Prozent. Anspruchsberechtigt sind 17 Millionen Versicherte bundesweit, in Nordrhein 1,9 Millionen.

Die Heidelberger Forscher werteten die im Rahmen des Programms durchgeführten die bundesweit durchgeführten Vorsorge-Koloskopien aus. Polypen wiesen 8,5 Prozent der Teilnehmer auf. Bei 19,3 Prozent der Teilnehmer wurden Adenome entdeckt; bei 6,3 Prozent im fortgeschrittenen Stadium. Vor allem Männer und ältere Patienten sind davon betroffen.

Bei 0,8 Prozent oder in 15.820 Fällen wurden kolorektale Karzinome entdeckt, in der Mehrzahl der Fälle in einem sehr günstigen Krankheitsstadium. Bei Männern ist eine signifikant höhere Prävalenz von fortgeschrittenen Adenomen festzustellen. Insgesamt ist festzustellen, dass die Inzidenz, aber vor allem auch die Mortalität des Darmkrebses nach Einführung der Screening-Maßnahmen rückläufig ist.

 

Informationen zu Vorsorge und Stuhltests

Die Vorsorgeuntersuchungen zielen auf die Entdeckung möglichst früher neoplastischer Veränderungen (Polypen) ab. Grundsätzlich ist die zu empfehlende Untersuchung die Darmspiegelung (komplette Koloskopie). Vorbildlich im internationalen Vergleich: in Deutschland ist die Vorsorgekoloskopie ab dem 56. Lebensjahr eine Kassenleistung - allerdings eine, die nur von wenigen Personen wahrgenommen wird. Die Angst vor der Untersuchung oder vor der Vorbereitung ist groß. Fast 100 Prozent der befragten teilnehmenden Versicherten würden die Darmspiegelung zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen (97,5 Prozent) und würden die Untersuchung auch Verwandten und Freunden weiterempfehlen (99,4 Prozent).

Eine Alternative stellen Stuhltests dar. Durch Verwendung von guajakbasierten Tests (Hämoccult) auf okkultes Blut (gFOBT) konnte im Rahmen von Bevölkerungsscreenings die Mortalität des kolorektalen Karzinoms um mindestens 15% gesenkt werden. Daher wird dieser Test als Einziger in den Richtlinien der DGVS empfohlen und ist als Kassenleistung anerkannt. Zwischenzeitlich gibt es aber auch eine Vielzahl von Stuhltests, die man in der Apotheke kaufen kann. Sie werden viel beworben und versprechen „besser" zu sein oder sogar „der Beste". Diese Tests muss man selbst bezahlen, da sie keine Kassenleistung darstellen. Die Preise der verschiedenen Tests schwanken erheblich und der Teuerste muss nicht derjenige sein, der die sichersten Ergebnisse liefert.

 

Was bedeutet eigentlich „bestes Ergebnis"?

Ein Stuhltest ist dann gut, wenn er dann positiv wird, wenn auch Polypen oder ein früher Darmkrebs vorliegt. Eigentlich soll er so gut sein, dass er die Polypen zuverlässig erkennt. Dann nämlich würde man eine Darmspiegelung empfohlen bekommen, bei der die Vorstufe - der Polyp- entfernt werden könnte. Kein Stuhltest der auf dem Markt erhältlich ist erfüllt diese Kriterien. Alle Stuhltests messen einen sogenannten „Surrogatmarker" nämlich das Hämoglobin bzw dessen Anteile oder eine sogenannten Tumor-M2-PK. Ein guter Vorsorge-Stuhltest sollte aber nicht positiv sein, wenn in dem Darm kein Polyp oder Tumor vorhanden ist. Hier weisen die verschiedenen Tests recht unterschiedliche Ergebnisse auf. Konkret bedeutet ein falsch-positiver Test, dass der Patient Sorge haben wir Darmkrebs zu haben in der Wartezeit bis zu der (überflüssigen) Darmspiegelung. Aus diesem Grund ist es so wichtig mehr über Stuhltests zu wissen!

 

Die wissenschaftliche Studie unseres Vereins:

Im Prinzip fehlen bisher die völlig eindeutigen Studien in riesigen Zahlen, die auch durch die langjährige Verlaufsbeobachtung einen wirklichen Vorteil der neueren (welcher?) Tests zu dem herkömmlichen und von den Kassen bezahlten Hämokkult Test nachweisen. Zu unterschiedlich sind die verschiedenen Studiendesigns, oder zu gering die untersuchten Fallzahlen. Der Verein Düsseldorf-gegen-Darmkrebs e.V. hat jüngst eine wichtige Studie durchgeführt in über 1.100 Stuhlproben, die in Kürze veröffentlicht werden wird. Diese Studie wurde von der Krebsgesellschaft NRW und der BEK finanziert. Das Besondere dieser Studie ist darin zu sehen, dass alle 7 untersuchten Tests aus der gleichen Stuhlprobe durchgeführt wurden. Die Ergebnisse der Studie werden einen weiteren Beitrag dazu leisten eine Entscheidungsgrundlage für den Kauf eines Stuhltests in der Apotheke zu haben. Da auch viele Hausärzte und auch Gastroenterologen unsicher sind, welchen Test sie ihren Patienten empfehlen sollen ist diese Studie von Düsseldorf für Düsseldorf ein großer Beitrag. Viele Düsseldorfer Krankenhäuser und niedergelassene Kollegen haben zu dieser Studie beigetragen. Last but not least waren es über 1.100 Düsseldorfer Patienten, die sich einer Koloskopie unterzogen haben und bereit waren ihre Stuhlprobe anonym zur Verfügung zu stellen. Vor allem diesen Düsseldorfern sei gedankt!!!

 

Die verschiedenen Tests im Detail

Bei dem klassischen Hämokkult Test beruht der Nachweis auf der Pseudoperoxidaseaktivität des Häm-Restes und kann durch tierisches Hämoglobin, peroxidasereiche Nahrungsmittel (Kohlsorten, Rüben, Melonen) sowie durch Vitamin C verfälscht werden, was eine Diätempfehlung notwendig macht. Auch muss dieser Test in 3 aufeinanderfolgenden Stuhlproben - also insgesamt drei Mal - durchgeführt werden. Ist nur einer dieser Tests positiv, so erfolgt die Empfehlung eine Darmspiegelung durchzuführen. Kritisiert wird die niedrige Sensitivität (20-45%), die durch Veränderung des Testes (Hemoccult® Sensa®) erhöht werden konnte bei allerdings schlechterer Spezifität. Bessere Ergebnisse, trotz spärlicher und teilweise inhomogener Datenlage, scheinen die immunochemischen Tests zu erbringen , die durch Antikörper spezifisch humanes Hämoglobin aus dem unteren Gastrointestinaltrakt nachweisen. Hämoglobin aus dem oberen Gastrointestinaltrakt wird durch intestinale Enzyme und/oder Bakterien degradiert und ist mit immunochemischen (im Gegensatz zu guajakbasierten Tests) in geringen Mengen nicht mehr nachweisbar (10). Nicht blutende Neoplasien können mit keinem der oben genannten Tests detektiert werden.

Die Pyruvatkinase M2 liegt in proliferierenden Zellen in einer tetrameren Form vor. In Tumorzellen tritt eine dimere Form, die sogenannte (Tumor-)M2-PK, auf. Bei Neoplasien im Gastrointestinaltrakt konnten immunologisch im Stuhl erhöhte Konzentrationen an M2-PK nachgewiesen werden worauf der ScheBo® · Tumor M2-PKTM Stuhltest beruht.

Allen beschriebenen Tests gemeinsam ist, dass nicht die Neoplasie direkt identifiziert wird, sondern nur ein Surrogatmarker (Hämoglobin bzw. dessen Anteile bzw. Tumor-M2-PK).

 

Tabelle der verschiedenen Stuhltests, die kommerziell erhältlich sind:

 

Bezeichnung

Durchführung

Testprinzip

Biochemischer Test

Test aus drei Stuhlgängen

Häm-Gruppe - Guajak

Immunologischer Test

Unklar ob einmalig ausreicht

humanes Hämoglobin - Antikörper

ScheBo® · Tumor M2-PKTM Stuhltest

einmalig

Pyruvatkinase

 

Wo im Dickdarm entsteht Krebs am häufigsten??

Entsprechend der langen Einwirkzeit der Kanzerogene bei der Stuhlformung finden sich 60% - 70% aller Krebse im Deszendens/ Sigma/Rektum, d. h. dem Dickdarmabschnitt, der für die Exkretion verantwortlich ist.

Welche Beschwerden treten auf?

Ganz generell entsteht Darmkrebs aus einer gutartigen Vorstufe, dem sogenannten Polypen. Diese machen in der Regel keine Beschwerden. Im Darm liegt somit fast immer eine in der Darmspiegelung gut erkennbare Vorstufe vor - somit ist dieses Organ hervorragend einer Vorsorge zuzuführen. Auch Darmkrebs in einem frühen Stadium macht in aller Regel keine Beschwerden. Wenn es dann zu Beschwerden kommt, dann sind diese durch folgende drei Ursachen begründet:

Im Wesentlichen werden Beschwerden durch 3 pathologisch anatomische Veränderungen charakterisiert:

a) Durch Einengung des Darmdurchmessers: Stuhlprobleme mit wechselnd Obstipation (Stuhlverstopfung, erschwerte Kotentleerung infolge Erschlaffung der Darmwand) und Durchfällen, Darmkrämpfen, schließlich Darmverschluss. Im Enddarm typische Tenesmen, das sind starke krampfartige Schmerzen mit frustranem Stuhldrang.

b) Durch den an der Oberfläche geschwürig aufgebrochenen Tumor finden Sickerblutungen bis zu starken Blutungen ins Lumen (Innere des Darms) statt: man findet eine chronische Blutarmut (= Anämie), okkultes (verborgenes) oder frisches Blut im Stuhl. Gefahr: Verkennung durch Haemorrhoidalblutung!

c) Entzug von „Lebensenergie" durch den die Körperressourcen aufbrauchenden Tumor: Mattigkeit, Leistungsknick, depressive Verstimmung etc.

 

Klinisches Bild

Im frühen Stadium des Krebses besteht in der Regel Beschwerdefreiheit. Die oben beschriebenen Symptome sind meist Spätsymptome. Deshalb ist die Vorsorgekoloskopie von überragender Bedeutung. Spät finden sich Darmverschlusszeichen (aufgetriebener Leib, Obstipation, Ileussymptomatik [Zurückstauung des Darminhaltes und Koterbrechen]), Symptome durch Metastasen (Lebersymptome, Schmerzen).

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 05. März 2010 um 12:32 Uhr  

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